«Namen sind ungeschriebene Geschichte»

 Liebe Leserin, lieber Leser,

Diese Website bietet Dir reiche landeskundliche Informationen in Wort und Bild. Geh auf Entdeckungsreisen, öffne die Rubriken (siehe Balken ganz oben) und vertiefe die angeschnittenen Themen: 

Rubrik «Werdenberg»: Ausführliche Beschreibung der Landschaft Werdenbergs, aller Gemeinden und Dörfer, des ganzen Siedlungs-, Kultur- und Naturraumes. Vertiefte Darstellung der regionalen Geschichte. Überblick über die wechselvolle Sprachgeschichte unseres Tales seit 2000 Jahren.

Rubrik «Ortsnamen»: Auflistung, landschaftliche Beschreibung und kartographische Darstellung aller Geländenamen der Region. Hol die Namen auf die Karte! Studiere das Namenbild! Unterscheide uralte und ganz junge Bezeichnungen! Romanische und deutsche! Geh den Fragen nach, die sich dem aufmerksamen Betrachter stellen. Nimm die gedruckten Bücher zur Hand, wo auch die sprachlich-kulturgeschichtlichen Erklärungen zu den Namen zu finden sind!

Rubrik «Namenforschung»: Einblick in den Forschungsstand, Hinweise  zu ihrer Bedeutung für Wissenschaft und Heimatkunde.

Rubrik «Über uns»: Wer steht hinter dem Projekt: die Macher, der Verein Werdenberger Namenbuch. Geh unter «Verein» auch zur Rubrik «Referate».

Rubrik «Name des Monats» (unten): Hier werden in regelmässiger Folge immer neue und besonders aufschlussreiche Namenprobleme aufgearbeitet. Im Februar 2020 gelangt Chretzibach (Gams) zur Darstellung, dann folgen nacheinander: Grista (Sennwald), Palfris (Wartau), Grüzimues (Sevelen), Grof (Buchs), Inggeriäls (Grabs), Afasteig (Gams), Lögert (Sennwald), usw. Alle bisher besprochenen Namen lassen sich im «Archiv zur Rubrik Name des Monats» weiterhin nachschlagen.

Hans Stricker 

WERDENBERGER NAMENBUCH

Die Region Werdenberg mit ihren sechs Gemeinden liegt am Alpenrhein, im Kanton St.Gallen (Schweiz), unmittelbar gegenüber dem Fürstentum Liechtenstein. Seit der römischen Eroberung ist Churrätien sprachlich romanisiert worden.

Unterrätien (der Raum zwischen Hirschensprung und der Landquart, vom Walensee bis zum Arlberg) befand sich vor rund achthundert Jahren im allmählichen Übergang vom Romanischen (Churwälschen) zum Alemannischen.

Die Spuren dieser sprachlichen Vergangenheit sind bis heute in den Mundarten sowie in den Orts- und Personennamen deutlich sichtbar geblieben.

Die Erfassung und Erforschung unserer Namen ist von hohem landeskundlichem Wert. Mundartklang und Namenwelt sind wichtige Träger persönlicher Erinnerungen und mit dem Heimatgefühl der Bewohner eng verbunden.

Die Erforschung von Sprache und Namen liefert wichtige Beiträge zum Verständnis der Kulturgeschichte dieses Raumes.

Das Forschungsprojekt «Werdenberger Namenbuch» wurde im Jahr 2000 gegründet und im Sommer 2017 mit der Publikation von neun Bänden abgeschlossen.

Auf dieser Website werden alle Ortsnamen Werdenbergs zugänglich gemacht. Nur die wissenschaftlichen Deutungen und die forschungsgeschichtliche Dokumentation sind weiterhin der gedruckten Ausgabe zu entnehmen.

Die Personennamen der Region werden hier nur am Rand mit berücksichtigt, da sie noch nicht systematisch gesammelt und erforscht sind.

Soweit nichts anderes vermerkt ist, stammen die Texte auf dieser Website von Hans Stricker und die hervorragenden Landschaftsbilder vom Vorstandsmitglied Hans Jakob Reich, Salez.

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NAME DES MONATS

Palfris

(Wartau)

Das weitläufige Alpgebiet hinter dem Chamm, südlich von Gauschla und Alvier, ist weit herum bekannt - eine langgezogene gewellte Terrasse, zum Seeztal abfallend und in steilen, trichterartigen Tobeln dorthin entwässernd. Sie wird auch von dort aus mit einer Seilbahn erschlossen, während das Alpsträsschen von Oberschan her kommt. Grob wird das Gebiet eingeteilt in Vorder- und Hinderpalfris sowie Alpili. Es umfasst die Einzelsennereien (von hinten nach vorn): Alpili, Stralrüfi, Forggili, Müllerighütte (auch Althus genannt), Geissegg, Vorderpalfris, Hirtenhütte (Alpenrösli), Waldguet, Rütiguet, Chammboden, Tschuggnersess, Ober und Under Steinersess.

Der nordwestliche Teil der Alp, Hinderpalfris, war jahrhundertelang durch Walser dauernd besiedelt; deren Anwesenheit in Wartau ist erstmals bezeugt im Sarganser Urbar von 1398 (für Matug); Palfris erscheint 1414 erstmals als Walsersiedlung. Noch heute steht auf Hinderpalfris das 1409 errichtete Rathaus der gefreiten Walser. Diese haben dann aber später ihre hochgelegenen Wohnstätten verlassen und sind in der übrigen, vormals romanischen Bevölkerung aufgegangen. Der Umstand, dass in der älteren Wartauer Mundart der Ausdruck «Pilfriiser» für ‘Grobian, Mensch von rohen Manieren’ bekannt war, wirft ein bezeichnendes Licht auf die Meinung der alteingesessenen Wartauer über die zugewanderten Kolonisten.

Doch hier soll uns in erster Linie der Name Palfris selbst beschäftigen. Der Wartauer sagt «Pilfriis», während vom Raum Grabs her älter die Namensform «Impelfriis» galt. Die neumodische Schreibung «Palfries» (mit -ie-) ist und bleibt trotz ihrer hartnäckigen Verwendung falsch und irreführend – hat sie doch dazu geführt, dass mittlerweile der Name immer häufiger auch falsch ausgesprochen wird, nämlich mit gesprochenem -i-e- (wie etwa mundartlich «Chriesi») - während diese dem Hochdeutschen abgeschaute Orthographie ursprünglich ja bloss die Längung des -i- von «Pilfriis» ausdrücken wollte.

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