«Namen sind ungeschriebene Geschichte»
Grabs am Fuss von Studner Berg (links) und Grabser Berg. Dazwischen das Tobel des Walchenbachs.

Grabs

Oberflächengestalt

Die nachfolgend zitierte eingehende Beschreibung entstammt Oskar Peters Monographie «Grabs. Eine Ortschaft des St.Galler Rheintales» aus dem Jahr 1941 (Peter 1941), die hier angesichts ihres Modellcharakters nicht übergangen werden soll [seine Schreibung der Geländenamen wird unserem Gebrauch angepasst].

«Im Süden, Osten und Norden stösst die Gemeinde an die Gebiete von Buchs, Sevelen und Gams, im Westen an die obertoggenburgischen Gemeinden Wildhaus und Alt St.Johann und das sarganserländische Walenstadt. Die verhältnismässig geringe Ausdehnung der Gemeinde in der Rheinebene ist in reichem Masse wettgemacht durch die grossen Berg- und Alpgebiete auf der Ostabdachung der Churfirsten-Alvier-Gruppe. Die Gemeindegrenzen liegen deshalb grossenteils im Gebirge. Nur die Ost- und Teile der Nordgrenze sind in der Ebene. Die Westgrenze hält sich grossenteils an den Gebirgskamm zwischen Rhein- und Seeztal. [...] Die östlichen Teile der Gemeinde liegen in der Aufschüttungsebene des Rheins. [...] Am Rand der Ebene steigen mit flacher Böschung die Schuttkegel der Seitenbäche gegen Westen an. Der ausgeprägteste ist derjenige der Simmi. Die Fächer von Grabser Bach, Studner Bach und Lognerbach tragen einen Kranz alter Siedlungen, während die Ebene in älterer Zeit einen siedlungsfreien Raum darstellte. Über den Schuttkegeln erheben sich die eigentlichen Berghänge. Zwischen dem Simmitobel und dem Tal des Walchenbachs dehnt sich der Grabser Berg behäbig in die Breite, von verschiedenen Seitenbächen durchfurcht. Der Studner Berg zwischen Grabser Bach und Studner Bach wird nach oben schmäler und steiler und zeigt gegen den Grabser Bach (Walchenbach) hin kräftige Erosionsanrisse (Rüfen). Südlich des Lognerbachs, der durch einen schmalen Sporn vom Studner Bach getrennt wird, steigt der Buchser Berg an, dessen Nordabhänge noch der Gemeinde Grabs angehören. [...] Über den locker besiedelten Berghängen finden sich ein breiter Maienberggürtel und darüber ausgedehnte Alpen, die mit wenigen Ausnahmen in den Mulden der Talhintergründe liegen. Abflusslose Becken bilden die Voralp und die Alp Isisiz. Das Territorium der Gemeinde erstreckt sich westlich bis auf die Gratlinie der Churfirsten-Alvier-Kette. Diese Grenzgipfel sind es denn auch, die den Hauptanteil an der Gipfelzone unseres Gebietes haben: Mit flachem Rücken der Chäserrugg und der Rosenboden [2201 m], mit schroffem Gipfelaufbau Sichelchamm [2269 m] und Gamsberg1 [2385 m], wohl die schönsten Gipfel der ganzen Gruppe. Der Wasserscheide gegen das Rheintal vorgelagert liegen Gamserrugg [2076 m], Förenchopf2 [1813 m], Wiss Frauen [1950-2100 m] und Margelchopf [2163 m] in der Gipfelzone. [...]


Grabs aus der Luft von Südosten her gesehen. Vorne der Weiler Lims nordwestlich bei Werdenberg, darüber das Dörfchen Studen mit dem Spital am Fuss des Studner Bergs. In Bildmitte Grabs und Grabser Berg, hinter diesem das Simmitobel, der Gamser Berg und Gams. Ganz hinten links der Wildhauser Schafberg und die Alpsteinkette mit Chrüzbergen und Saxerlugge bis Stoberenfirst.

Der Geologie entsprechend wechseln auch die Böden innerhalb der Gemeinde. Die Rheinebene weist fruchtbares Schlemmmaterial neben trockenen Sand- und Kiesböden auf. [...] Die Schuttkegel der Seitenbäche bieten ebenfalls gute, wenn auch hie und da stark steinige Böden. Vor der wirtschaftlichen Erschliessung der Ebene dienten sie den Dorfbewohnern als Pflanzland (Feld, Quader usw.), besonders ihre lateralen Gebiete, währenddem die zentralen Teile durch Siedlungen besetzt sind (Grabs, Studen, Lims). Die kräftige Moränenüberführung der Berghänge bildet die Grundlage für erfolgreiche Weidewirtschaft. Die talnäheren Gebiete sind [waren!] wie die Schwemmfächer mit Obstbäumen übersät. Feuchte und kalte, somit schlechte Böden bilden die Verwitterungsprodukte des Flysches und des Leistmergels (nördlicher Grabser Berg). Die Alpgebiete tragen grossenteils eine dünne Schicht von Verwit­terungsschutt oder Moränenmaterial, welche die Grundlage für die alpwirtschaftliche Nutzung bildet. Die ausgedehnten Schutthalden und Bergsturzgebiete stellen keine wertvollen Böden dar und können nur waldwirtschaftlich (zum kleineren Teil auch alpwirtschaftlich) genutzt werden. [...] Die Siedelungen im Gemeindegebiet liegen alle in windgeschützter Lage und sind somit den kältebringenden Nordwinden lange nicht so stark ausgesetzt wie das offene Rheintal, ohne dabei der temperaturerhöhenden Wirkung des Föhns verlustig zu gehen (Frühjahr und Herbst). Im Winter zeigen oft die Hänge des Grabser und Studner Bergs höhere Temperaturen als das in Nebel gehüllte, kalte Tal (Temperaturumkehr). Die Winde sind stark reliefbedingt. Auch quer zum Tal strömende Winde werden durch dieses in die N-S-Richtung geleitet. Vorherrschend sind Nord- und Südwinde. Der Nordwind ist der «Heuwetterwind», der Südwind tritt meist als Föhn bis zu grösster Heftigkeit auf. Letzterer fördert im Frühjahr die Schneeschmelze und verzögert im Herbst den Einbruch des Winters (Mais- und Traubenernte). Öfters bewirkt er auch im Winter in kürzester Zeit fast vollständige Schneeschmelze im Tal und in dessen Nähe. Von beträchtlicher Häufigkeit ist auch der durch die Wildhausermulde hereinbrechende West- oder Nordwestwind (Regenwind). [...] Das milde Klima des Rheintales bietet manchen wärmeliebenden Pflanzen gute Lebensbedingungen. Unter den Kulturpflanzen gedeiht mit beträchtlichen Erträgen der Mais. Der Weinbau wird nur noch in geringem Masse gepflegt. Die Bestände an Walnussbäumen sind ebenfalls stark zurückgegangen. Vollständig verschwunden ist der ehemals verbreitete Kastanienbaum. [...] Besonders stark vertreten ist die Rottanne, währenddem die Weisstanne nur geringe Bestände aufweist. Die Kiefer ist kaum vertreten. Auf den unwirtlichen Karrenfeldern der Neuenalp treffen wir als nördlichstes natürliches Vorkommen einen beträchtlichen Bestand von Arven. An Laubholzbäumen tritt einzig die Buche stark hervor, währenddem Eiche, Esche und Ahorn nicht sehr häufig sind. [...] Über der Waldregion (1700-1800 m Waldgrenze) erscheinen zwei Formen der Alpenrose (Rhododendron ferrugineum und hirsutum), Legföhren, Zwergerlen, Wacholder. Ursprünglich konnten nur kleine Gebiete der Gemeinde für die Besiedelung günstig erscheinen. Vor allem war die Rheinebene vor der Korrektion des Rheinlaufes in höchstem Masse siedelungsfeindlich. [...] Wenig einladend für eine dauernde Besiedelung waren auch die Alpengebiete im Westen der Gemeinde, dagegen luden zwischen der Ebene und den Alpen die talnahen Berghänge und die Schwemmfächer der Seitenbäche zur Niederlassung ein. Sie sind es denn auch, die heute von den Dörfern und Streusiedelungen besetzt sind. [...] Die Rheinkorrektion brachte eine Verlagerung der Hauptackerbaugebiete in die Ebene hinaus (Ochsensand), wo die guten Lettenböden reichliche Erträge an Kartoffeln, Mais, Gemüsen und auch Getreide versprachen. Die Korrektion des Grabser Baches und der Simmi, wie die damit verbundene Entsumpfung und Güterzusammenlegung im Grabser Riet (1900-1902) erschlossen allmählich grössere Gebiete der intensiveren Nutzung, indem neues Heuland, aber auch fruchtbares Ackerland gewonnen wurde. Logner- und Studnerbachkorrektion schafften in den Jahren 1921-1922 auch im südlichen Teil des Talgebietes bessere Verhältnisse.» (Peter 1941, 175-180 und 189).

Ab den 1960er Jahren erfolgte die Aussiedlung der meisten Dorfbauern auf arrondierte landwirtschaftliche Siedlungen in der Talebene um Grabs (vor dem Grabser Bach: Inggeriälshof, Riethof, Mattenhof, Ochsensand; hinter dem Bach: Rietzun, Rufersriet, Erlenhof, Vorpüls, Püls, Underpüls, Eichhof, Münzgraben).

Der Grabser Bach durchfliesst das Dorf von oben bis unten. Zu Beginn des 20. Jhs. wurde anlässlich der Melioration des Grabser Riets sein Lauf in der Ebene begradigt und in den neuen Binnenkanal eingeleitet.


Die Talebene zwischen Buchs und Haag um die Mitte des 19. Jhs. Ausschnitt aus: "Topographische Karte des Canton's St.Gallen, Blatt Werdenberg" (Eschmann-Karte, 1841-1854). Das Studner Riet ("Staudener Riet") war frisch melioriert; ansonsten befand sich die Ebene noch im Urzustand; die Talbäche verliefen noch frei und mündeten an verschiedenen Stellen in den ungebändigten Rhein. Der Binnenkanal sollte erst dreissig Jahre später in Angriff genommen werden. Nur die direkte Verbindungsstrasse zwischen Werdenberg und Haag war schon erbaut (gegen den heftigen Widerstand von Grabs). - Zur Rheinkorrektion und zu den Bergbächen in unserem Raum siehe WJ 1990 und WJ 1999. - Bild: Werdenberger Namenbuch.

Vor mehreren hundert Jahren wurde ein Teil seines Wassers unterhalb seines Austritts aus dem Tobel über eine ausgeklügelte Wasserfassung in einen künstlichen Gewerbekanal eingeleitet. Der sogenannte Mülbach (auch Chlin Bach genannt) lieferte von da an, zum Teil bis heute, auf einer Länge von 1,7 km über zwanzig Gewerbebetrieben seine Energie. Sie profitierten von ihm als einer eigentlichen Lebensader, lieferte er doch den Antrieb für Sägereien, Mühlen, Hammerschmitten, eine mechanische Werkstätte, eine öffentliche Waschküche, eine Huf- und Wagenschmitte, eine Werkzeugschmitte, einen Betrieb zur Schafwollverarbeitung, eine Reisserei und Karderei, eine Knochenstampfe und eine Spinnerei und Weberei. Mit seiner vielfältigen Nutzung und der Zahl noch erhaltener Anlagen gilt der Mülbach heute als einzigartig in der Schweiz (vgl. www.grabser-muehlbach.ch; Zweifel 1999, 164-180).


Ein Teilstück des Mülbachkanals im Oberdorf in Grabs. - Bild: Werdenberger Namenbuch.

Siedlungsstruktur


Der Dorfkern von Grabs im Morgenlicht, von der Wingerthalde herab gesehen. Die liechtensteinische Talseite liegt noch im Schatten der Drei Schwestern.

Die Gemeinde Grabs ist nicht nur in bezug auf ihre Fläche die grösste der Region, sie war es lange auch in ihrer Bevölkerungszahl. Erst nach 1900 ist sie von Buchs überflügelt worden.


Grabs vom unteren Studner Berg herunter gesehen (Blickrichtung gegen Norden). Im Hintergrund links Kamor und Hirschensprung.

Auf dem weit ausgebreiteten Schuttkegel des Grabser Baches dehnt sich das Dorf Grabs aus. Unterschieden werden darin, zunächst hinter dem Bach, von oben nach unten die Quartiere Spanna, Ampadeila, Erlen1, Geissegg, Büntli1, Holand, Steffenbongert, Stütli, Hasenbünt; vor dem Bach Cholplatz, Büschenbünt, Erlen1, Vorderdorf, Gakleina, Werden1. Die Gemeindekirche war in alter Zeit am östlichen Dorfrand (Unterdorf) errichtet worden (um ihren auffälligen Standort rankt sich eine Sage). Südlich derselben dehnt sich die Kirchbünt aus, vormals schönes Wies- und Ackerland, heute weitgehend überbaut, umrahmt von den Gebieten Iverplut, Iverturst und Ivertschell. Diese Kulturlandzonen sind, wie auch Underdorf und Laufenbrunnen (östlich der Kirche), erst in jüngerer Zeit (und teils bis heute erst locker) überbaut worden. In den letzten Jahrzehnten aber haben sich hier nun eigentliche Neubausiedlungen ausgebreitet. Entsprechend nehmen junge Wohnquartiere auch an den Ausfallstrassen gegen Gams (Raum Feld und Steinberg), gegen die Haager Strasse (Werden) sowie gegen Studen und Werdenberg (Underquader, Storchenbad, Marhalde, Bleichi, Mädli) bedeutende Flächen ein.


Die Kirche von Grabs.


Die alte, 1901 abgebrochene Kirche Grabs im Juli 1857. Links das alte Pfarrhaus, ebenfalls abgerissen 1958. Der stattliche Bau wurde geopfert, um so die Durchgangsstrasse begradigen zu können (Zeichnung Jakob Rietmann, St.Gallen).


Haus im Quartier Ampadeila unmittelbar hinter dem Grabser Bach am Bergfuss.

Das Dörfchen Studen liegt am Fuss des (nach ihm benannten) Studner Bergs und am Studner Bach; hier steht seit 1907 das Krankenhaus (heute Kantonales Spital), weiter südlich das Pflegeheim Werdenberg.


Das Studner Schuelhüsli aus dem frühen 19. Jh.


Stattliches Wohnhaus im Dörfchen Studen. Im Hintergrund links der Grabser Berg, darüber der Wildhauser Schafberg.

Der Weiler Lims zwischen Quader und Werdenberg liegt an der Durchgangsstrasse und am Lognerbach.

Die Hänge des Grabser und des Studner Bergs lockten wohl ebenfalls frühzeitig Siedler an. Die sonnigen Halden boten gute Bauplätze für Haus und Scheune und reiches Futter für das Vieh. Dazu war auch der Ackerbau verschiedenenorts noch lohnend. Vom Bergfuss bis auf rund 1000 m hinauf (wo die Maienbergzone beginnt) ist der ganze Grabser Berg übersät mit lockerer Streubesiedlung mit den grösseren Weilern Forst, Schluss und Lehn, daneben eine grosse Zahl von kleineren Gruppen und Einzelhöfen.

 Wie alle besiedelten Berghänge, so war auch der Grabser Berg seit alters mit einem verzweigten Gassen- und Wegnetz überzogen, der das Dorf mit dem Berg, dessen Weilern und Einzelhöfen sowie mit den ausgedehnten Maienbergen und Alpen verband. Man konsultiere dazu beispielhaft den Aufsatz von Andreas Sprecher «Gassen und Wege am Grabserberg. Entwicklung und Bedeutung eines verzweigten Verkehrsnetzes in den Zeiten vor dem Strassenbau» (WJ 1997, 120-138). Das Zentrum dieses Wegnetzes bildete die Schlussbrugg (unter Schalmenlitte), wo die Verbindungen von allen Seiten zusammenliefen. Dieses herkömmliche Verkehrsnetz ist weit über tausend (vielleicht zweitausend) Jahre alt, bestand es doch seit den Anfängen der Besiedlung bzw. wurde mit deren Entwicklung zusammen ausgebaut. Es war seither in täglichem allgemeinem Gebrauch durch Menschen und Vieh sowie im Warenverkehr, und es wurde von den beteiligten Korporationen und Anstössern dauernd unterhalten. Dies blieb so bis vor drei, vier Generationen. Erst mit dem Bau der Fahrstrasse (1897) begann es stiller zu werden auf den alten Gassen. Als Folge der zunehmenden Motorisierung wuchsen mit der Zeit viele alte Fussweglein ein. Die Trockenmauern, welche die Gassen seitlich säumten, begannen, von der Öffentlichkeit weitgehend unbeachtet, zu zerfallen, wurden da und dort auch von den Nutzern des angrenzenden Wieslandes teilweise beseitigt. Die alten Wegrechte werden leider nur mehr wenig beansprucht und dementsprechend von manchen Bewirtschaftern auch zunehmend missachtet, so dass dem Wanderer das Durchkommen immer mehr erschwert wird. Oft verlegen Weidezäune ohne Durchgangsmöglichkeit den Weg. Da und dort macht sich Gestäude breit mitten in den Gassen.

Die Buechrütigass beginnt im Oberdorf, am Cholplatz bei der Glocke. Dann steigt sie den unteren Grabser Berg hinan, gegen Buechrüti und Wingert. Schon hier im unteren Teil ist nur noch eine Seitenmauer sichtbar; die andere seitliche Begrenzung ist entfernt worden, und der Wegverlauf ist hier unklar, man läuft aufs Geratewohl, hier über die frisch ausgebrachte Gülle. - Bild: Werdenberger Namenbuch.

In der Buechrüti teilt sich die Gasse (hier im Bild rechts der Mitte). Ihr nördlicher Ast geht dem Weiler Forst zu, wo sich der Weg wieder teilt; der südliche Arm, hier im Vordergrund, führt über den First zur Schlussbrugg hinauf. - Bild: Werdenberger Namenbuch.

Hier, über dem Heimwesen namens Wingert und unter dem Kuenenboden, ist in der Gasse kein Durchkommen mehr, ist sie doch gänzlich überwuchert. - Bild: Werdenberger Namenbuch.

Unter dem Kuenenbodenrangg, hundert Meter über dem vorangehenden Bild, ist von der Gasse gar nichts mehr zu sehen. Hier müsste der Wanderer sich den Weg durchs hohe Gras förmlich suchen. - Bild: Werdenberger Namenbuch.

Diese alten und heute so vernachlässigten Verkehrswege aber sind wertvolle geschichtliche Zeugen, deren Erhaltung uns ein Anliegen sein sollte. Ein wunderbares Wanderwegnetz wartet hier darauf, wieder hergerichtet und begangen zu werden. Heute ist dieses uralte Kulturgut akut gefährdet - wenn sich nicht bald jemand seiner annimmt. 

 
Gästela am unteren Grabserberg. Im Hintergrund Gams und der Gamser Berg.


Der Weiler First am Grabser Berg.

Die bewohnten Zonen des Grabser Bergs, jeweils streifenweise (von unten nach oben und von Süd gegen Nord) aufgezählt, umfassen die folgenden Weiler und Einzelhöfe: Ampadeila, Buechrüti, Amasis, Gästela2, Äräggäll, Hohenrain – Güetli, Impertätsch, Kuenenboden, Steinagger1, Brennerswis, Rühi2, Stechenmoos – Runggelrun, Friggs, First, Forst, Steffelisbünt, Leversberg, Gantner – Walchen, Bufel, Amaschnun, Brüch, Stüdeli, Schluss, Schalmenlitte, Averschnära, Mammet, Bühel, Winnenwis, Underwis – Schgun, Tischenhus, Weibelagger, Boden, Amatüe, Tobel, Lehn, Höfli, Hinder Hof, Rappenloch, Büel2, Tenn, Eggli, Hinder Litte, Underschwendi, Loch1 – Riseli, Gogen, Risi1, Steffenbüel, Ober Steinagger, Bünt2, Chappeli1, Amatnänn, Plangg, Bächli1, Schochenberg, Rappenstall, Lehnbach, Hönegg – Müselun, Muntlerentsch, Amadang, Eggenberg, Rieteren, Tafadils, Wüesti2, Mumpelin, Hinderegg, Vilier, Brand1, Salen, Werden3, Bätzleregg, Schwendi2, Plena.


Im Leversberg am hinteren Grabser Berg. Im Hintergrund die Südwand des Alpsteinmassivs mit Mutschen (Bildmitte), Chrüzbergen und Saxerlugge.


Gut erhaltenes stilvolles Haus auf Schochenberg am oberen Grabser Berg.

 
Am Chappeli1, auf 860 m, am Grabser Berg. Auf dem markanten, aussichtsreichen Bühel stand vormals die Sebastianskapelle.

Am Studner Berg (der älter †Pilols, †Ampilos hiess) liegt die Dauersiedlungsgrenze auf etwa 850 m. Auch hier sollen die hauptsächlichen Siedlungsplätze (in gleicher Weise) aufgezählt werden: Hugenbüel, Neuengaden, Bongert1, Grap1, Sand, Ampadell – Ober Gatter, Belenbach, Vorderegg, Egg1, Grossstuden, Grist1, Bünt1 – Büel1, Mafun, Prestenegg, Banholz2, Bunzenhalde – Ivelrentsch, Höf, Sandbühel, Infang1.


Der Studner Berg, der gemäss den Urkunden älter Pilols, dann Ampilols hiess.


Der Studner Berg zeigt im unteren bis mittleren Teil auffällige kleinräumige Terrassenbildungen, die sich bei nachmittäglicher Sonneneinstrahlung vom Tal aus gut wahrnehmen lassen. Es handelt sich dabei um alte Ackerraine, welche sich durch lang dauerndes Pflügen oder Hacken gebildet haben. In der Tat wurde noch im 16. Jh. auch bergwärts viel Weizen, Gerste und Korn angebaut (wie aus den Urbarien hervorgeht). - Bild: Werdenberger Namenbuch.


Nochmals, hier etwas vergrössert und bei aperem Boden, die im obigen Bild erwähnten Ackerterrassen am hinteren Studner Berg. - Bild: Werdenberger Namenbuch.

Temporär besiedelt sind die höher gelegenen Teile der beiden Berghänge sowie die Alpen: die ersteren als Maiensässe, die letzteren als Sommerweiden. Vgl. hierzu ausführlich auch Stricker 2007, 391-404 (Maienberge) und 405-408 (Alpen).

Blick auf die Maienberge am obersten vorderen Grabser Berg, vom Schwendiweg herüber gesehen. In Bildmitte Amadang, rechts unten der Vordere Hof. - Bild: Werdenberger Namenbuch.


Maienberg in Buechen am oberen Grabser Berg, auf 1080 m. Im Hintergrund Schaan FL und die Flanke der Drei Schwestern.

Im teils ebenen Maienberggebiet Anggapells auf der Kuppe des Grabser Bergs. Das flache Wäldchen in Bildmitte heisst Toggenhölzli, rechts dahinter ist der Rosshag. Dahinter fällt das Gelände in die Senke des Voralpsees ab; im Hintergrund links oben unter dem wuchtigen Gamsberg (Gämsler) das Älpchen Länggli, weiter rechts das Alptal Naus zwischen Sichelchamm und Höchst. - Bild: Werdenberger Namenbuch.

Das ausgedehnte Maienberggebiet am Grabser Berg. Blick nordwärts vom Aufstieg zum Schlösslichopf (südöstlich hoch über dem Voralpsee). Hinten (links) der Altmann und die südliche Alpsteinkette vom Gulmen bis zum Stoberenfirst. - Bild: Werdenberger Namenbuch.

Eine Siedlung besonderer Art ist das mittelalterliche Städtchen Werdenberg mit der stolzen, gräflichen Burg [...] (siehe dazu ausführlich Anderes 1983). Das Städtchen gilt als «das wohl bekannteste und anschaulichste Beispiel einer mittelalterlichen Holzbausiedlung mit städtischem Charakter in der Schweiz» (S. 24). «Es teilte das Schicksal der jeweiligen Schlossherren. Es gehörte - wie heute noch - zur Pfarrgemeinde Grabs, besass aber bis ins 16. Jh. eine heute verschwundene Nikolauskapelle. 1478 erhielt die Bürgerschaft eine gewisse Eigenständigkeit, welche durch den Bau eines Rathauses zum Ausdruck kam. Es bleibt ein Rätsel und ein Zufall zugleich, dass Werdenberg in der mittelalterlichen Struktur und Bauweise stehenblieb. Die wirtschaftliche Entwicklung ging an Werdenberg vorüber und beliess das bäuerlich geprägte Städtchen gleichsam in embryonalem Zustand. Werdenberg blieb auch von verheerenden Kriegsläufen und von den zahlreichen föhnbedingten Feuersbrünsten im Rheintal verschont. [...]. Um 1830 wurden das vordere und das hintere Stadttor abgebrochen. [...] Werdenberg ist ein überaus malerisches Städtchen mit suggestiver Strahlungskraft. Besonders wohltuend ist der Blick über den kleinen See [...]. Eine Bilderbuchkulisse inmitten einer weitgehend zersiedelten Landschaft. [...]. Lauben, bestehend aus gemauerten Arkaden und gedrungenen, gotisch zugeschnittenen Pfosten, deuten auf das ehemalige, von den Grafen verliehene Marktrecht.» (Anderes 1983, 24ff.).


Schloss und Städtchen Werdenberg am kleinen See.


Am Eingang ins Städtli: Das "Doktorhaus", massiver Eckbau an der Stelle einer Torfestung. 1673 erhielt es seine heutige Gestalt.


Das "Schlangenhaus", ein beachtlicher Strickbau mit barocker Bemalung. Südwestlicher Eckbau des Städtchens; sein gemauerter Sockel geht in die Gründungszeit des Städtchens (gegen Ende des 13. Jhs.) zurück.
In Werdenberg. Barocke Beschriftung eines Hauses im Oberstädtli. - Bild: Werdenberger Namenbuch.

Blick ins mittelalterliche Städtchen Werdenberg. Das Haus mit den drei Arkaden, das Montaschinerhaus, wurde 1583 erbaut. Rechts das Rote Haus (Geburtshaus des Staatsrechtlers Prof. Carl Hilty). - Bild: Werdenberger Namenbuch.


Die Gasse ins Hinderstädtli. - Bild: Werdenberger Namenbuch.

Seit alter Zeit und bis zu Beginn des 19. Jhs. war die Gemeinde Grabs gedrittelt, d. h. das Siedlungsgebiet war in drei etwa gleich starke Fraktionen aufgegliedert, die innerhalb der Gesamtgemeinde gewisse lokale Aufgaben (etwa die Instandhaltung von Wegen und Brücken, die Verbauung von Bächen) eigenständig erledigten und auch der Obrigkeit gegenüber besondere Frondienste zu übernehmen hatten. Bis zum Ende der Glarner Herrschaft wurde der Zehnte nach Gemeindedritteln gesondert eingezogen. Es handelte sich um

1) den Stadtner Drittel (worunter die zwei Sechstel Städtli und Studen mit einem Teil des Studner Bergs fielen),
2) der Dorfner Drittel (mit den zwei Sechsteln vor und hinter dem Grabser Bach), und
3) der Berger Drittel (mit den zwei Sechsteln Vorderberg und Hinderberg).

Mit dieser Fraktionsbildung verbunden war die Aufteilung des beträchtlichen Alpbesitzes (Gemeindealpen) ebenfalls in drei Blöcke (1. Ischlawiz-Voralp, 2. Naus-Länggli-Inggernast-Ivelspus, 3. Gamperfin-Älpli-Neuenalp-Gams).
Seit alters wurde die Nutzung dieser drei Alpkomplexe jeweils alle 61 Jahre unter die drei Gemeindedrittel neu verteilt. Die Zuteilung geschah durch das Los - ein Verfahren, das zum letzten Mal im Jahr 1781, am Vorabend tiefgreifender politischer und ökonomischer Veränderungen, zum Einsatz kam (vgl. Stricker 1991, 222*ff.; Schindler 1986, 215).

Aus der Ortsgeschichte

Einzelfunde weisen auf frühe Besiedlung hin. Gesichert wurden je ein Bronzebeil in der Alp Ischlawiz (vgl. Bessler 1934, 15) und auf Pir, ferner Silex auf Pir (Primas 1988). Die Dorfsiedlung bestand bereits in der Antike, vielleicht schon vor der Zeitenwende. Die St.Bartholomäus-Kirche von Grabs ist im 6. Jh. nachzuweisen (Büttner/Müller 1967, 53, 69). Gemäss der Lebensbeschreibung des hl. Gallus fand Gallus auf seiner Flucht hier eine Kirche vor, deren Diakon Johannes später Bischof von Konstanz wurde (als Nachfolger des Gaudentius; dazu Hilty 2001, 100-107; Büttner/Müller 1967, 25). Im 10. Jh. schenkte Kaiser Otto I. dem Kloster Einsiedeln das Reichsgut in Grabs, zu dem auch die ausgedehnten Alpen gehörten. Wann und unter welchen Umständen die Gemeindebürger sich schliesslich diesen Alpbesitz haben aneignen können, ist nicht belegt; angeblich hätte die Gemeinde den Alpbesitz erst um 1500 vom Kloster Einsiedeln erworben (nach Schindler 1986, 211: mit Verweis auf Hilty 1926, S. 25, wo eine entsprechende Angabe allerdings nicht zu finden ist). Grabs war um die Mitte des 13. Jhs. im Besitz der Grafen von Werdenberg-Heiligenberg. Die Geschichte der Gemeinde ist eng mit jener Werdenbergs, des herrschaftlichen Zentrums der Grafschaft, verknüpft; Schloss und Städtchen Werdenberg waren stets Teil des Kirchsprengels Grabs. Der Grundbesitz der Grabser Kirche war infolge ihres Alters und der Grösse der Gemeinde bedeutend: Die Güter von 64 Haushaltungen waren ihr eigen; dazu kamen noch Gültbriefe; ferner das ansehnliche Eigentum der Pfrund, das von seinem Inhaber, dem Pfarrer, direkt genutzt wurde (Winteler 1923, 167). 1404 ging die Gemeinde zusammen mit Buchs und Sevelen an Graf Wilhelm V. von Montfort-Tettnang über. 1483 kam die Grafschaft erbmässig an Graf Johann-Peter von Sax-Misox. Dieser verkaufte sie 1485 an den eidgenössischen Stand Luzern. Nach weiteren Handänderungen erwarb 1517 der Stand Glarus die Herrschaft. In der Zeit von 1526-1529 setzte sich in Werdenberg die Reformation durch. Die Landvögte auf Schloss Werdenberg hatten bis 1798 Gerichtshoheit und Kollatur inne. 1803 kam es zur Eingliederung in den neu gegründeten Kanton St.Gallen, bis 1831 im Bezirk Sargans, dann im neuen Bezirk Werdenberg. Bis ins 20. Jh. war Grabs hauptsächlich von der Landwirtschaft mit ausgeprägter Stufenwirtschaft (Heimwesen – Maienberg – Alp) geprägt. Zwischen 1880 und 1920 kam die Stickerei auf; in ihrer Blütezeit standen in der Gemeinde etwa 500 Stickmaschinen; hier befand sich seit 1894 auch die erste Stickereifachschule der Schweiz. (Teils nach M. Bugg in HLFL 1, 304.)

Patrozinien

Die Dorfkirche, die älteste in der Region Werdenberg, ist dem hl. Bartholomäus geweiht (vgl. WJ 2000, 58).

Seit der Reformation (1526) abgegangen sind folgende Kapellen (vgl. dazu WJ 2000, 57):

St.Sebastian auf weithin sichtbarem Hügel am oberen Grabser Berg, genannt am Chappeli.

St.Wolfgang auf Hugenbüel (am Fuss des Studner Bergs), Standort heute unbekannt.

St.Nikolaus (im Städtli Werdenberg), Standort heute unbekannt.

Ebenfalls verschwunden ist das «Schwesternhaus», vor der Reformation ein Frauenklösterchen, bewohnt von Tertiarinnen, Franziskanerinnen der dritten Regel, einem Laienbund (vgl. Hilty 1926, 91f.); noch lange nach der Reformation bestand aber in Grabs der materielle Besitz dieses Ordens weiter («Nunnen Gült»).

Einwohner

6 898 (31.12.2017). Ältere Zahlen: 1950: 4 516, 1900: 4 411, 1850: 3 272, 1816: 2 354

Gemeindefläche, Höhenlage

54,67 km2
Ortsgemeinde: Grundbesitz: 3214 ha (= 32,14 km2): Wald und Alpen je ca. 1500 ha
Höhenlage: Evang. Kirche: 467 m
Höchster Punkt: Gamsberg1 (2385 m)
Tiefster Punkt: Ochsensand, zuunterst im Grabser Riet (443 m)

Alpen

[Flächenangaben: bereinigte Weideflächen, vgl. WJ 1989, 18]

Ivelspus (mit Guschawiti, Gschwemmten, Martisboden, Leversschwendi). Eigentümer: Ortsgemeinde Grabs. 94 ha.

Voralp (mit Ober Stofel, Under Stofel, Bachboden, Vor dem See, Under Länggli, Ober Länggli, Risiwald). Eigentümer: Ortsgemeinde Grabs. 178 ha.

Naus (mit Nausner Obersess). Eigentümer: Ortsgemeinde Grabs. 216 ha.

Gamserrugg (Schafalpung). Eigentümer: Ortsgemeinde Grabs.

Ischlawiz (mit Alt Hütte, Schranggenbrunnen, Wisen, Schwanz, Wetterbrunnen, Gerschella, Schnetole, Fräs). Eigentümer: Ortsgemeinde Grabs. 329 ha.

Gamperfin (Under Gamperfinboden mit Hochalpung Plisen, Ober Gamperfinboden mit Sessli, Germil mit Schleipftobel, Witi2 mit Bergli1 und Mazils, Brand2 mit Gamsalp, Brandbühel, Lochgatter, Ölberg, Herti, Gupfe2, Älpligatter mit Inggadells, Älpliboden, Engi2 mit Grap4 und Saubad). Eigentümer: Ortsgemeinde Grabs. 374 ha.

Gampernei (Wisli1, Bütze, Hanenspil, Sess4, Ober Hütte). Eigentümer: Alpkorporation Gampernei. 142 ha.

Isisiz (mit Isisizer Voralp oder Vorweid, Gem. Buchs). Eigentümer: Alpkorporation Isisiz. 161 ha.


Alpzimmer Im Schwanz in der Alp Ischlawiz. Hinten Glatthalde und Höchst, weiter rechts der Nideripass.


Das Älpchen Risiwald (Voralp), am Eingang des Alptals Ischlawiz. 


Die Alte Hütte oben in Ischlawiz, bzw. das, was nach dem Lawinenniedergang von Februar 1999 und dem Wegräumen der Trümmer von dem ganzen Alpzimmer übriggeblieben ist.


Die gegen das Obertoggenburg abfallende Grabser Hochalp Plisen zwischen Chäserrugg (hinten) und Gamserrugg.


In der Alp Ivelspus im Taleinschnitt zwischen Studner Berg und Buchser Berg (1170 m). Typische Betriebseinheit ("Alpzimmer") bestehend aus Hütte, Saustall und Schopf (hier deren zwei).


Die Alp Isisiz mit dem in der riedigen Fläche mäandrierenden und dann versickernden Bach, vom Margelchopf herunter gesehen. Links hinten der Sichelchamm, darunter die Wissen Frauen, rechts der Mitte der Höchst (zwischen den Alptälern Naus und Ischlawiz), rechts hinten die Ostflanke der Churfirsten mit Gamserrugg und Chäserrugg.